Gartenträume – Zwölf Fragen an Kunst-Schaffende. Heute: Beate Kratt

Gartenträume – Zwölf Fragen an Kunst-Schaffende. Heute: Beate Kratt

Wir präsentieren: Beate Kratt. Sie ist eine Künstlerin aus Hamburg, die Fotografie vor Ort an der Hamburger Kunsthochschule studiert hat. Heute arbeitet sie sehr experimentell und ist international vertreten. Neben ihren Fotografien, Collagen und experimentellen Drucken steht bei ihr ein besonderes Material im Vordergrund, das Bienenwachs.

Die ambitionierte Interviewreihe des Magazins Garten-Kayser

Bitte beschreiben Sie kurz Ihre Arbeit und wie Sie sich selbst künstlerisch einordnen.
Ich denke, ich versuche durch mein künstlerisches Tun die Bedeutung und Schönheit der mich umgebenden Welt besser zu verstehen. Meine Arbeiten zeigen diesen Prozess und machen ihn so auch für andere sichtbar. Dafür durchstreife ich Orte und Landschaften mit meiner Kamera und sammle dabei Materialien, wie Sand, Holz und rostiges Metall. In meinem Studio entstehen daraus sehr unterschiedliche Arbeiten, wie Foto- und Materialcollagen. Seit einigen Jahren spielt Bienenwachs, also die Technik der Enkaustik, dabei eine immer größere Rolle. Es ist ein wunderbares Material, das ich in vielen Schichten flüssig auftrage und dabei die gesammelten Fundstücke, Fotografien und Pigmente einbinde. Bienenwachs besitzt einen tiefen, natürlichen Glanz, der mich stets von Neuem fasziniert.

www.beatekratt.com

Gibt es einen konkreten Anlass, der Sie zu Ihrer Leidenschaft geführt hat?
Bezogen auf meine derzeitige künstlerische Auseinandersetzung, ja. Mit dem Aufkommen der digitalen Bilderflut habe ich meine Arbeit mit der Kamera sehr intensiv hinterfragt. Studiert habe ich die Fotografie ja noch in der analogen Zeit an der HfbK in Hamburg. Durch die Filme und die Arbeit in der Dunkelkammer gab es damals nicht diese Bildermengen und die Zeit spielte auch eine ganz andere Rolle. Als Folge meiner Auseinandersetzung mit der digitalen Fotografie habe ich alternative und experimentelle Formen der Fotografie ausprobiert und dadurch eine ganz neue Freiheit im U

Foto: Beate Kratt

mgang mit diesem Medium gefunden. Dabei bin ich auch dem Bienenwachs begegnet. Das war ein echtes `wow´ Erlebnis! Es ist ein sehr haptisches und vielfältiges Material. Meine Faszination gebe ich jetzt auch in Kursen in meinem Atelier ART&WEISE in Hamburg weiter.

www.artundweise.net

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
In den letzten 12 Jahren sind meine Arbeiten geprägt durch mein Leben an zwei sehr verschiedenen Orten, Hamburg und Mandurah, in Westaustralien. Dieser Wechsel und die damit verbundene Auseinandersetzung mit Aufbruch, Ankunft, Veränderung, Zeit und Bewegung zeigt sich in meinen Arbeiten, die ich im In- und Ausland ausstelle.

Haben Sie im Rahmen Ihres Schaffens so etwas wie ein Lieblings-Stück?
 Ach, das ist schwierig, es verändert sich häufig. Zunächst ist es stets die Arbeit, die gerade fertig geworden ist. Aber auch einige ältere Arbeiten behalten ihre Bedeutung oder bekommen sie, da sie für wichtige Auseinandersetzungen oder Erlebnisse stehen.

Welche Art Kunst bewundern Sie?
Es sind stets die Arbeiten, bei denen die intensive Auseinandersetzung des Kunstschaffenden mit einer Thematik oder dem Material sichtbar wird. Dabei ist das Medium für mich nicht ausschlaggebend.

Mit wem würden Sie gerne einmal zu Abend essen und warum?
Antwort: Ich denke, ich möchte einfach mit Freunden und mit meinem Mann zusammen sein. Wichtig für mich ist nicht der eine Abend, sondern gerade die Vertrautheit, die über die Zeit entstanden ist. Das ist stets etwas besonderes für mich.

Was würden Sie als Ihren Haupt-Charakterzug bezeichnen?
Das sollten am besten andere beantworten. Ich denke ich bin kreativ, neugierig, dazu verlässlich und offen im Austausch.

Welches Buch oder welche Bücher haben Ihr Leben am meisten beeinflusst?
Da gibt es sehr viele, je nach Lebensphase. Am nächsten sind mir aber meine Bücher über KünstlerInnen, über ihr Leben und ihre Auseinandersetzung mit ihrer Kunst. Sie begleiten mich in meinem künstlerischen Prozess und sind Ansporn zugleich.

Was tun Sie, wenn Ihnen mal alles zu viel wird?
Ich gehe eine Runde spazieren und suche dabei die Stille mit mir selbst- Ich fahre auch gerne mit dem Fahrrad durch die Natur.

Welches Laster haben Sie und verzeihen Sie sich gleichermaßen?
Ich bin sehr akribisch beim Fertigstellen meiner Arbeiten und bei der Vorbereitung zu meinen Ausstellungen. Das kostet mich oft viel Zeit und Energien, führt aber zumeist auch zu einer großen Zufriedenheit.

Welches Land oder welche Stadt oder Region möchten Sie in jedem Fall noch einmal sehen?
(lacht) Na, das ist einfach. Ich möchte immer wieder in meine gefühlte zweite Heimat zurück, nach Australien.

Wann haben Sie zum letzten Mal laut gelacht?
Innerlich gerade eben. Die andere Situation, die mir spontan einfällt, möchte ich doch lieber für mich behalten.

Author: kayser

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